7. Nyéléni-Newsletter

Liebe Leute, der neue nyleleni.de Newsletter ist da!

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Und schon wieder ist ein Monat vorbei, in dem bei nyeleni.de intern einiges weitergegangen ist. Während dem Strategietreffen in Witzenhausen entwickelten wir einen Fahrplan bis zum Forum 2016 und auch beim BUKO in Münster war nyeleni.de mit dabei. Natürlich gibt es auch wieder – in Vorfreude auf einen klima-, ernährungs- und landwirtschaftsbewegten Sommer – jede Menge Veranstaltungstipps in Deutschland und darüber hinaus.
Ab nächsten Monat dürfen wir außerdem Bambi-g. in unserem Newsletter willkommen heißen, der die Beiträge für unsere neue Filmkolumne rund um Essen und Landwirtschaft schreiben wird.
Viel Spaß beim Lesen!

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Internationaler Nyéléni Newsletter jetzt auch auf Deutsch

Der internationale Nyéléni Newsletter, den es bisher nur auf Englisch zu lesen gab, wird nun auch in andere Sprachen übersetzt. Langsam aber stetig geht die Übersetzung ins Deutsch voran. Die erste übersetzte Ausgabe ist die Nr. 13 zu Ernährungssouveränität, die ihr schonmal hier lesen könnt. Auch für Schwedisch gib es eine_n freiwillige_n Übersetzer_in, Unterstützung für weitere Sprachen wird noch gebraucht. Falls jemand sich angesprochen fühlt oder jemanden kennt, die oder der, das machen könnte, schreibt bitte an  info@nyeleni.org (auf Englisch oder Spanisch).

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Souverän statt König Kunde

Ernährungssouveränität steht für eine radikale Demokratisierung unseres Lebensmittel- und Agrarsystems

tomatenvielfaltvon Magdalena Heuwieser

Viele denken bei dem Wort Ernährungssouveränität an das Ziel der vollständigen Selbstversorgung, die rosa Brille eines »small is beautiful« und einer bäuerlichen Idylle, andere an die wachsende, elitäre Bioszene. Doch worum geht es bei Ernährungssouveränität wirklich?

Jede noch so kleine Tomate wirft große Fragen auf: Ist sie kugelrund, knallrot oder gefleckt? Wie viel Chemie, wie viel Energie steckt in ihr, zu welcher Jahreszeit liegt sie auf unserem Teller? Wer hat sie angebaut – ein Migrant ohne Papiere und Dach über dem Kopf in Südspanien oder die Bauernmarktverkäuferin selbst? Aus welchem Saatgut ist sie gewachsen, gehört jemandem das Patent darauf? Wer besitzt das Land, auf dem sie gewachsen ist? Wer versorgt diejenigen und die Kinder derjenigen, die sie gießen, sie hunderte oder tausende von Kilometern transportierten; wer verkocht die Tomate? Die Antworten sagen viel darüber aus, wie unser Lebensmittel- und Agrarsystem gestaltet ist. Eine genauere Beschäftigung verdeutlicht allen, die es wissen wollen, schnell, dass unser Essen auf der Ausbeutung von Menschen hierzulande und im globalen Süden beruht, auf übermäßigem Ressourcenverbrauch und Naturzerstörung.

Und nun? Von jetzt an nur noch kleine, gefleckte Tomaten kaufen? In den Supermarktregalen so mancher hippen Stadtteile entwickelt sich mittlerweile ein entsprechendes Raritätensortiment in der Gemüseauslage. Sorgfältig ausgewählte Tomatenvielfalt, schön verpackt im 500-Gramm-Paket, nur 2,99 Euro.

Demokratie an der Supermarktkasse?

Supermarktaktion 2Die Zukunft der Landwirtschaft entscheidet sich durch den individuellen Einkauf, so das Versprechen von Agrarminister_innen und Biowerbung. Dass »bewusster« Konsum die einzige Form der Mitentscheidung sei, ist inzwischen fest in vielen Köpfen verankert. Doch wer meint, an der Supermarktkasse ihre oder seine Stimme abgeben zu können, tut dies vor allem im wahrsten Sinne des Wortes. Man reduziert sich auf ein reines Marktsubjekt – zumindest dann, wenn Konsum rein marktförmig gedacht ist: Projekte solidarischer Landwirtschaft gehen weit darüber hinaus, und auch gemeinsam organisierte Konsumboykotts können durchaus sinnvoll sein.

Der enorm gestiegene Anteil biologischer Lebensmittel und deren Integration in das Supermarktsystem sollten unterdessen kritisch betrachtet werden. Sie dokumentieren die Unterwerfung unter die Regeln der Konkurrenz und des Preisdrucks, wo diversifizierte, kleine Höfe keinen Platz haben. Das Supermarktsystem orientiert sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen, sondern an den Gewinnaussichten der Märkte. Und während hierzulande die Müllberge aus fast frischen Lebensmitteln in den Himmel wachsen, leiden anderswo Millionen Menschen Hunger. Die »Konsumentendemokratie« schließt außerdem all jene von der Mitbestimmung aus, die nicht zahlungskräftig genug sind.

Ernährungssouveränität bedeutet also nicht, an der Supermarktkasse souverän selbst entscheiden zu können, was man kauft, sondern zielt im Kern auf eine umfassende Demokratisierung, die »die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren, ins Zentrum der Nahrungsmittelsysteme stellt, nicht die Interessen der Märkte und der transnationalen Konzerne«, so die Deklaration des Nyéléni-Forums für Ernährungssouveränität 2007. (Siehe Kasten)

Der Begriff der Ernährungssouveränität wurde vor etwa 20 Jahren von der weltweiten Organisation von Kleinbäuer_innen La Vía Campesina geprägt, die rund 200 Millionen Mitglieder zählt. Sie entwickelte das Konzept als radikalen Gegenentwurf zum dominanten und neoliberal aufgeladenen Modell der »Ernährungssicherheit«.

Ernährungssouveränität versus Ernährungssicherheit

IMG_2148Im Kontext der Strukturanpassungsprogramme der 1980/90er Jahre und des Inkrafttretens des WTO-Abkommens über die Landwirtschaft 1995 wurden Staaten im globalen Süden gezwungen, Handelsschranken abzubauen. Als die subventionierten europäischen und US-amerikanischen Produkte zu Dumpingpreisen die geöffneten Märkte überschwemmten, verloren hunderttausende Bäuer_innen ihre Existenzgrundlage. Die Nahrungsmittelkrise mit rund einer Milliarde hungernder Menschen hat in den letzten Jahren verdeutlicht, dass diese Strategie nicht zu Ernährungssicherheit führte, sondern die Lage gravierend verschlimmert hat. Dennoch werden Freihandel und Produktivitätssteigerungen durch Agroindustrie, Gentechnik und Großgrundbesitz weltweit gefördert und Agrarsubventionen nach Hektargröße verteilt. Die Logik des »Wachsen oder Weichen« ist auch in Deutschland ungebrochen, allein in den letzten 20 Jahren hat sich hier die Zahl der Bauern und Bäuerinnen halbiert. Die Eliminierung der Milchquote am 1. April 2015 wird das Höfesterben weiter beschleunigen.

Für La Vía Campesina – übersetzt »der bäuerliche Weg« – steht fest, dass tatsächliche Ernährungssicherheit nur durch die Unterstützung statt durch die Zerstörung kleinbäuerlicher und agrarökologischer Lebens- und Produktionsweisen erreicht werden kann.

Die Meinung, bäuerliche Landwirtschaft könne die Welt nicht ernähren, ist auch unter Linken weit verbreitet. Kleinbäuerliches Wirtschaften gilt als Sinnbild für Rückständigkeit, während Großbetriebe mit Fortschritt und Produktivität assoziiert werden. Studien zeigen jedoch, dass große Farmen mit Monokulturen nicht unbedingt produktiver arbeiten als diversifizierte, kleine Höfe, die eine Vielzahl verschiedener Kulturen anbauen. Unter Berücksichtigung eingesetzter Produktionsfaktoren wie Energie, Dünger und Wasser schneiden kleine Betriebe meist sogar besser ab als große.

Dennoch darf ein allzu romantisches Bild von Kleinbäuerlichkeit die konstruktive Kritik nicht vernebeln. Kleinbäuerliche und auch Biolandwirtschaft sind nicht mehr unbedingt gleichbedeutend mit Kreislaufwirtschaft, in der die eingesetzten Inputs vom Hof selbst kommen und nicht extern zugeführt werden müssen – zum Beispiel durch Futtermittelimporte oder Düngerzukauf. Auch stimmt es, dass die Produktion in vielen Regionen noch gesteigert werden könnte und sollte – allerdings auf sozial gerechte und agrarökologische Weise.

Abgesehen davon ist es durchaus Realität, dass Frauen auf dem Land oft deutlich schlechter gestellt sind. Die La-Vía-Campesina-Kampagne für Geschlechtergerechtigkeit versucht, dem entgegenzutreten. Aus einigen Ecken wird außerdem aufgezeigt, dass Kleinbäuerlichkeit nicht unbedingt mit Kleinfamilie gleichzusetzen ist und beispielsweise auch kollektive Bewirtschaftungsformen dazuzuzählen sind.

Die Nyéléni-Bewegung

nyeleni europeErnährungssouveränität ist nicht nur aus Bewegungen entstanden, es ist auch ein Konzept in Bewegung. Während bei Ernährungssouveränität vor allem zu Beginn der Fokus auf der bäuerlichen Mitbestimmung lag und die nationale und internationale Ebene wegen der Kämpfe gegen WTO und Freihandel Hauptansatzpunkte waren, entwickelte sich das Konzept im Laufe der Jahre stets weiter. Vor allem das Nyéléni-Forum, bei dem 2007 etwa 500 Menschen aus 80 Ländern in Mali zusammentrafen, trug dazu bei, dass vermehrt auch städtische Bewegungen und Konsument_innen sich das Konzept aneigneten und in Folge die lokale Ebene weiter in den Vordergrund rückte.

Nyéléni ist der Name einer legendären malischen Bäuerin, die eine zentrale Figur für die Landwirtschaft in ihrer Region darstellte und verdeutlicht den explizit dekolonialen und feministischen Anspruch von Ernährungssouveränität. In Mali wurde deutlich, wie wichtig das Schließen von Allianzen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Sektoren sowie die Etablierung und Stärkung regional verankerter Bewegungen für Ernährungssouveränität ist – auch und gerade im Globalen Norden, wo die meisten der verhängnisvollen Agrar- und Handelspolitiken entschieden werden.

Im Jahr 2011 fand deshalb in Österreich ein zweites Nyéléni-Forum statt, bei dem 400 Delegierte aus 34 europäischen Ländern zusammenkamen und eine Nyéléni-Europe-Deklaration sowie einen Aktionsplan erarbeiteten. Seitdem entwickelten sich in vielen Ländern Europas regionale Foren – etwa in Kroatien, Großbritannien, den Niederlanden oder Österreich. Seit Mitte 2014 gibt es auch in Deutschland Bestrebungen, die Nyéléni-Bewegung zu verankern und 2016 ein Forum zu veranstalten.

Auszug aus der Nyéléni-Deklaration (2007)

»Ernährungssouveränität ist das Recht der Gemeinschaften auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt. Sie ist das Recht auf Schutz vor schädlicher Ernährung. Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen. (…) Sie ist eine Strategie des Widerstandes und der Zerschlagung derzeitiger Handels- und Produktionssysteme, die in den Händen multinationaler Konzerne liegen. (…) Sie garantiert, dass die Nutzungsrechte auf Land, auf Wälder, Wasser, Saatgut, Vieh und Biodiversität in den Händen jener liegen, die das Essen erzeugen. Ernährungssouveränität bildet und stützt neue soziale Beziehungen ohne Unterdrückung und Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, Völkern, ethnischen Gruppen, sozialen Klassen und Generationen.«

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29. April: Nyéléni-Workshop „Demokratisierung der Ernährungssysteme“

am 29. April von 18:30 – 20:30 Uhr

Im Projektraum „Die ganze Bäckerei“ (Erdgeschoss), Waldemarstr. 46, 10999 Berlin

Im Kern von Ernährungssouveränität steht die Demokratisierung der Ernährungssysteme. Doch was ist damit eigentlich gemeint und warum ist sie notwendig? Was ist überhaupt Demokratie und Demokratisierung, welche unterschiedlichen Konzepte gibt es? Nyéléni versucht, mit der spezifischen Herangehensweise auf eine Demokratisierung hin zu arbeiten. Wie kann diese bei den fünf Achsen aussehen, der Erzeugung, Verteilung, dem Sozialen, den Commons und den Politiken? Kennen wir gelebte Beispiele? Gemeinsam versuchen wir, uns den Fragen und Antworten zu nähern.

Herzliche Einladung an alle Interessent*innen. Der Workshop ist gratis.
Fragen gerne an die Workshop-Leiter*innen m.heuwieser@yahoo.de und franziskus.forster@attac.at
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6. Nyéléni.de Newsletter: April 2015

Der neue Nyéléni.de Newsletter ist da!

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Diesem April gab es gleich zwei wichtige Aktionstage: Am 17 und 18 April gingen weltweit tausende Menschen auf die Straße um gegen Freihandelsabkommen zu protestieren. Auch die Nyéléni Regionalgruppe Berlin/Brandenburg war mit einem Aktionstag dabei. Was im Moment noch so bei Nyéléni.de passiert, in anderen Ecken des deutschsprachigen Raums und auch weltweit, das erfahrt ihr in diesem Newsletter.
Für den nächsten Newsletter freuen wir uns wieder auf eure Mitarbeit! Schickt einfach spannende Artikel, Veranstaltungshinweise und Details zu euren regionalen Nyéléni-Aktivitäten an info@nyeleni.de

 

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Ernährungssouveränität in der Schweiz

bauerntagIn der Schweiz hat Uniterre als Mitglied von La Via Campesina das Thema der Ernährungssouveränität mit der Initiative auf die politische Bühne gebracht. Wir vertreten die Anliegen von Via Campesina und suchen den Dialog mit der Bevölkerung. So wie hier entstehen Initiativen für Ernährungssouveränität überall auf der Welt, welche sich vernetzen und gemeinsame Aktionen planen. Viele Bewohner_innen in der Schweiz setzen die Vision bereits um. Getragen werden die Ideen von Vertragslandwirtschaftsprojekten, von Hofgemeinschaften, von Gemüsegenossenschaften, von Food-Coops, von Agriculture-Projekten in der Stadt und auf dem Land. Alle diese Initiativen sind die Basis von neuen Landwirtschafts-und Ernährungssystemen.

Um uns gegen die Liberalisierungspolitik unser Regierung zu wehren und den Vorhaben von immer weiteren Freihandelsabkommen von Bundesrat Schneider Ammann die Stirn zu bieten, brauchen wir die politische Debatte. Weltweit kämpfen wir, so unterschiedlich die Bedingungen auch sind, mit den gleichen Problemen: Ausbreitung der GVOs, die Veränderung des Weltklimas, Patentierung von Pflanzen und Saatgut, kranke Tiere in der Massentierhaltung, Antibiotikaskandale, Landgrabbing und der Industrialisierung unserer Nahrungsmittelproduktion. Unsere Initiative greift diese Problematik auf und ist, wie von La Via Campesina gefordert wird, ein umfassendes Gegenkonzept zum Ausverkauf von Landwirtschaft, Natur, Gesundheit und Ernährung.

Unsere Argumente und mehr Informationen zu Initiative für Ernährungssouveränität finden Sie auf unserer Homepage: http://www.souverainete-alimentaire.ch/in/de/

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Buch: Grüner Kolonialismus in Honduras

Land Grabbing im Namen des Klimaschutzes und die Verteidigung der Commons

Ein Buch von Magdalena Heuwieser, erschienen im Promedia-Verlag im März 2015Green Grabbing in Honduras_MHeuwieser

Honduras – das weltweit am stärksten vom Klimawandel beeinträchtigte Land. Wie wirken sich dort gewisse „grüne“ Klimaschutz-Projekte aus? Weshalb stoßen sie auf Widerstand?

Der Einsatz gegen Klimawandel braucht eine fundierte Kritik an falschen Lösungsstrategien.
Magdalena Heuwieser begibt sich auf Spurensuche zwischen Schein und Sein „grüner“ Projekte. Das Buch entlarvt den Mythos der „Green Economy“ und zeigt Widersprüche, Gefahren und koloniale Muster einer Klima- und Umweltschutzstrategie auf, die zur „Finanzialisierung der Natur“ führt und von den eigentlich notwendigen Maßnahmen ablenkt. Es wird deutlich: Hinter technischen Namen wie REDD+ oder CDM verstecken sich hochpolitische Fragen.

Das einzige aktuelle deutschsprachige Sachbuch zu Honduras.
Die Autorin thematisiert den historischen und politischen Kontext dieses vergleichsweise unbekannten Landes, das sich seit dem Putsch 2009 in einem beschleunigten Strudel aus Abhängigkeiten, Repression und Neoliberalisierung befindet. Das Buch verschafft einen Überblick über Land Grabbing in Honduras (inklusive Modellstädte bzw. ZEDEs) sowie über den Widerstand sozialer und indigener Bewegungen und die Verteidigung der Territorien und Commons.

>>Inhaltsverzeichnis

>> Flyer zum Buch

baum solo grünMagdalena Heuwieser studierte Internationale Entwicklung in Wien und begleitet seit Jahren innerhalb der HondurasDelegation soziale und indigene Bewegungen in Honduras. Sie ist engagiert in der Bewegung für Ernährungssouveränität (Nyéléni Austria und Deutschland) und arbeitet bei der österreichischen Plattform Finance & Trade Watch als Koordinatorin der Themenbereiche Finanzialisierung der Natur und Klimavernetzung.

Das Buch „Grüner Kolonialismus in Honduras. Land Grabbing im Namen des Klimaschutzes und die Verteidigung der Commons“ ist zu bestellen bei: magdalena.heuwieser@ftwatch.at

Kostenlose Rezensionsexemplare sind anzufordern bei: promedia@mediashop.at

Buchpräsentation am 4. Mai in Wien
baumreihe

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Migration – Arbeit – Landwirtschaft: Neue La Vía Campesina Deklaration

La Via Campesina Declaration on Migration and Rural Workers

Published on Thursday, 02 April 2015 15:28

b_350_0_16777215_00_images_migrants2o15.jpgMarch 25, 2015 – World Social Forum Tunis 2015

The migration of peoples across arbitrary barriers is an integral part of human history. Rooted in the search for better living conditions, this movement of peoples from one place to another was later transformed into a social, economic, and political process that has largely served to benefit ruling elites – the slave traders of the past and the multinationals of the present. Today, as capital demands exceptional freedoms for itself – combined with greater restrictions on the poor – wars, social exclusion, economic injustice, and the global climate crisis are forcing millions of human beings to seek refuge across internationally imposed boundaries.

As financial capital and agribusiness concentrates its power and holdings – diminishing opportunities for diversified and sustainable smallholder farming – precarious livelihoods continue to aggressively push a growing number of rural people off their farms and into the city.

Neoliberal policies, free trade agreements, the development of industrial agriculture, the concentration of production areas… all have destructive effects on the environment, biodiversity, the climate and local, especially peasant, economies. These aggressive policies that impose a development model based on the exploitation of resources, the grabbing of the commons, the stealing of agricultural lands and the exploitation of peasants as well as that of women and men who work the land, have a particularly harsh effect on peasant communities. Ruined people have no other option to leave family, land and community to seek the means of survival some place else, in the big cities or in any countries.

Once urbanized, our people are unlikely to find opportunities in our countries and soon become the migrants of today, the cheap labor of the corporate interests. In the most telling of cases, peasant farmers leave family farming only to become the low-paid agricultural workers of corporate giants Monsanto, Cargill, and DuPont. This occurs both internally – within Mexico or Palestine for example – as well as externally, as we cross borders to work for those who forced us off our lands.

We of La Via Campesina, the world’s largest social movement with millions of peasants, women, youth, indigenous peoples, afro-descendants, fisherfolk and – very often due to involuntary displacement – migrants and rural workers, denounce the fact that we, the poor majorities, are those who suffer most as climate change provokes extreme climatic events across our territories. The term “climate refugee” is now being used to describe those of us forced from our lands by the global climate crisis, by an industrialized food and social system that blames its victims and pardons its culprits.

To advance the struggle for Food Sovereignty and help bring an end to the corporate control of the global food system, we declare that it is necessary to:

  1. End all violence and repression against migrants perpetrated in the context of the so-called “War on Terror”. Remove the issue of migration from the rhetoric around “threats” to national (or domestic) security since these are different questions altogether;
  2. Stop the separation of undocumented migrant families, which has provoked a crisis in childhood migration. Halt the confinement of migrant children in detention centers, in unhealthy and inhumane conditions that violate their most elementary rights. End the deportation of all unprotected children;
  3. Protect all refugees through international institutions (such as the UN) and NGOs of recognized moral authority (such as Amnesty International), safeguarding their rights as refugees and providing protection for all those living in refugee camps;
  4. Halt and revoke all policies that criminalize migrants, policies that increase persecution, detentions, expulsions, and physical attacks. States should be obliged to respect international agreements and, if they have yet to do so, adhere to the International Convention on the Protection of All Migrant Workers and Members of Their Families. Modify all local and national legislation so as to comply with said agreements;
  5. Legalize “clandestine” migration so as to combat criminalization;
  6. Allow (or guarantee) to migrants access to the labor market under conditions equivalent to workers ’national‘.
  7. Oppose all temporary worker programs, which serve only to divide the working class and weaken our organizations and struggles. With respect to temporary agricultural workers (braceros, guest workers, contratados de origen, etc.), these agreements serve only to benefit industrial agricultural by providing it with cheap and docile farm labor;
  8. Organize all migrants, strengthening our rights to bargain collectively and to strike. Practice solidarity on an ongoing, permanent basis, firmly adopting the principle that “an injury to one is an injury to all”;
  9. Dismantle all free trade agreements, especially those with the greatest impacts on collective resources, rural communities, and indigenous peoples. Implement Food Sovereignty, in direct contrast and in dispute with the corporate-controlled food system;
  10. Challenge the capitalist model of economic growth and so-called “green” development, which does not address the causes of the climate crisis, a crisis that is exacerbating the migration crisis. The results of the climate crisis – extensive droughts, floods, avalanches, earthquakes, tidal waves, etc., which are ever more frequent, are now responsible for 25% of all involuntary migration worldwide, now estimated at 210 million people [according to the International Organization for Migration (www.iom.int)];
  11. Recognize the corporate causes of the global climate crisis and force transnational corporations and their governments in the industrialized nations to accept their responsibility in the surge of climate refugees. At the national level, incorporate the victims of environmental displacement into social development strategies that help to organize and empower these peoples;
  12. Develop action plans with specific timeframes into national policies of research and development, giving priority to sustainable peasant agriculture as a viable option to combat the climate crisis and reduce the impacts of environmental displacement;
  13. Bring Down All Walls: Mexico-USA, Melilla, Ceuta, Palestine (West Bank), Western Sahara, etc., because they not only represent a barbaric aggression against humanity, separating peoples, but also represent an affront to nature. While existing geographic borders already contribute to ecological disasters, new dividing walls only worsen the situation;
  14. End all wars of territorial occupation, the extraction of wealth and the enslavement of indigenous peoples.

We are here in the World Social Forum 2015 in Tunis to let everybody know, that this is our commitment and that we are ready to unite with all the social and popular movements to build an international alliance of peasants, migrant workers, indigenous peoples and social fighters for a more humane, dignify and better world.

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17. April 2015: Internationaler Tag des (klein)bäuerlichen Widerstandes gegen transnationale Unternehmen und Freihandelsabkommen

Afiche WEB EN(Zimbabwe, Harare, 30. März 2015)

La Via Campesina hat den 17. April zum Internationalen Tag des (klein)bäuerlichen Widerstandes ausgerufen, um die Bedeutung des Kampfes hervorzuheben und die Kriminalisierung von Protesten anzuprangern. (Klein-)Bäuer*innen werden tagtäglich schikaniert und erfahren Gewalt, durch das Vorgehen der Agrarindustrie und die Umsetzung neoliberaler Landwirtschaftspolitik auf dem Land. Die internationale (Klein-)Bäuer*innen-Bewegung drängt deshalb auf eine rasche Verabschiedung der Deklaration über die Rechte von Bäuer*nnen und der ländlichen Bevölkerung im Rahmen der Vereinten Nationen. Die Erklärung wird ein hilfreiches Instrument für den Kampf für ein Leben in Würde auf dem Land darstellen. Am 17. April 2015 mobilisiert La Via Campesina insbesondere dazu, die Auswirkungen von transnationalen Unternehmen und Freihandelsabkommen für die (klein-)bäuerliche Landwirtschaft und Ernährungssouveränität aufzuzeigen. Deshalb rufen wir dazu auf, die sozialen Kämpfe und die weltweite Basisbewegungen weiter zu stärken, um Zugang zu Land und eine ernsthafte Agrarreform einzufordern, sowie das angestammte Recht auf Böden und Gebiete – ein zentraler Bestandteil der bäuerlichen Landwirtschaft und der Ernährungssouveränität – durchsetzen zu können.

Seit 1996 – zu Ehren der 19 ermordeten landlosen Bäuer*innen in Brasilien – mobilisiert die internationale (Klein-)Bäuer*innen-Bewegung zu diesem globalen Aktionstag. Es ist ein Tag des Feierns und um die Solidarität und den Widerstand zu stärken. Auch die Verbindung zwischen Stadt und Land im Rahmen eines Gesellschaftsprojektes, das auf sozialer Gerechtigkeit und der Würde der Menschen basiert, soll dabei gestärkt werden.

Wir, Frauen und Männer, (Klein-)Bäuer*nnen, indigene Communities, Menschen mit afrikanischen Wurzeln und Landlose auf der ganzen Welt, kämpfen für den Aufbau eines Produktionsmodells, das auf (klein-)bäuerlicher Landwirtschaft und Ernährungssouveränität basiert. Freihandelsabkommen laufen diesem Projekt zuwider; sie führen zu freier Vertreibung und dem Ausschluss und Verschwinden von (Klein-)Bäuer*nnen, indem sie auf eine kapitalistische, industrielle und subventionierte Nahrungsmittelproduktion setzen, die sehr stark vom Einsatz von Agrochemikalien abhängig ist. Diese Abkommen werden parteiisch ausgehandelt und dienen den Interessen einer Handvoll transnationaler Unternehmen. Aus Sicht von La Via Campesina dient die Politik, die auf eine Öffnung und Deregulierung der Märkte abzielt, nur den Interessen transnationaler Konzerne. Im Grunde wird in diesen Geschäfts- und Handelsabkommen – seien sie nun multi- oder bilateral – versucht, durch die Schaffung einer Reihe von Bedingungen, Maßnahmen und Regelungen die Investitionen ausländischer Unternehmen zu schützen. Unterdessen hat die Liberalisierung von Märkten weitreichende soziale und wirtschaftliche Folgen für die (Klein-)Bäuer*innen – sowohl im Norden als auch im Süden. In den Freihandelsabkommen werden Handelsrechte über alle anderen Rechte und Interessen gestellt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Derzeit werden von der Europäische Union, den Vereinigten Staaten und Kanada die signifikantesten Freihandelsabkommen aller Zeiten verhandelt. Diese Abkommen werden die Handels- und Investitionsmärkte liberalisieren. Sie werden globale Auswirkungen haben und auf eine unternehmerfreundliche Art und Weise neue Bedingungen, im Rahmen derer transnationale Konzerne agieren können, festlegen. Treten sie in Kraft, erhalten Konzerne neue Instrumente, mit denen sie Vorschriften, Normen und die öffentliche Politik manipulieren können, um ihre Profite zu steigern – durch die Einführung von Klagerechten für Investoren gegen Staaten (investor-state dispute resolution) und einen Regulierungsrat. Infolgedessen werden Länder, ganze Regionen und Gemeinden die Macht verlieren, ihre eigenen Bürger*innen und ihre Umwelt zu schützen.

In diesem Zusammenhang verurteilen wir die Schiedsverfahren, die transnationale Konzerne verwenden, um die Rechtsysteme der Welt zu globalisieren, zu transnationalisieren und zu privatisieren. Privatunternehmen wird gestattet, Gesetze zu schreiben und eine Strategie zu verfolgen, die auf die Schwächung von Regierungen und der nationalstaatlichen Souveränität abzielt. Währenddessen versucht die Welthandelsorganisation (WTO) sich neu zu definieren, um ihre Bedeutung nicht zu verlieren. Im Rahmen dessen startet sie dieses Jahr eine neue Offensive gegen die Gesellschaftsordnung, indem sie beabsichtigt, national ausgerichtete Systeme der Nahrungsmittelproduktion, des Vertriebs und der Reservelager zum Schutz der Bevölkerung, zu schwächen.

Mit dem Ziel unseren internationalen Kampf zu stärken, ruft La Via Campesina an diesem globalen Aktionstag seine Mitgliedsorganisationen, Freund*innen und Verbündeten zu Aktionen in ihren jeweiligen Ländern und Regionen auf. Diese Aktionen können Mobilisierungen, Landbesetzungen, Saatguttausch, Veranstaltungen zu Ernährungssouveränität, Foren, kulturelle Veranstaltungen, usw. sein.

Sie können/Ihr könnt diese Aktionen ankündigen und uns per Mail über die geplanten Veranstaltungen informieren: *lvcweb@viacampesina.org <lvcweb@viacampesina.org>.*

Bitte schicken Sie/schickt uns auch Bilder, Videos, Plakate und Flyer. Wir werden eine Karte, auf der alle Aktionen aufgeführt sind, auf www.viacampesina.org veröffentlichen. Globalisiert den Kampf, globalisiert die Hoffnung! Für Ernährungssouveränität der Menschen, Gegen transnationale Unternehmen und Freihandelsabkommen!

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Über den Tellerrand-Ernährungssouveränität in Bangladesch

Einen tollen Film über Zusammenhänge zwischen Ernährungssouveränität und Klimawandel hat der Verein „Zwischenzeit.eV“ aus Münster produziert. In „Über den Tellerrand-Ernährungssouveränität in Zeiten des Klimawandels“ nehmen sie uns mit auf eine Rundreise durch Bangladesch; zu verschiedenen Schwerpunkten, Konflikten und Kämpfen.

“Ernährungssouveränität” ist die zentrale Forderung der kleinbäuerlichen Bewegungen in Bangladesch. Angesichts von Klimawandel, Flächenknappheit und Landkonflikten setzen sie sich für eine gerechte Landverteilung und eine selbstbestimmte Agrarproduktion ein. Eigene Parzellen sowie kulturell und ökologisch angepasstes Saatgut sehen sie als Basis für die Nahrungsmittelversorgung. Die Bewegungen verfolgen ihre Ziele gegebenenfalls mit radikalen Mitteln: Sie besetzen und bewirtschaften Land, das ihnen laut Gesetz zusteht, aber aufgrund von Korruption zumeist nicht übertragen wird.

Auf der Homepage findet ihr einen zehn-minütigen Trailer, der Verein bietet auch Veranstaltungen mit dem Film an.

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